Anlässlich  unserer diesjährigen 2. Spendenreise im November, trafen wir uns mit Herrn Kokossis, der sich viel Zeit nahm,  um uns die geänderte  Situation der Sozialpraxis  in Athen zu erläutern.

Wir wurden in der Sozial-Praxis  herzlich begrüßt, im Gepäck hatten wir für 5000 € Medikamente.  Wie üblich hatten die Apotheker der Praxis vorab die Medikamente bestellt.  Dieses Mal waren alle  Arzneimittel ausnahmslos für die Schwächsten der Gesellschaft, die Kinder.

Zunächst erläuterte Herr Kokossis, dass es in Griechenland, wie überall in Europa, gesetzliche Grundlagen für den Betrieb von Apotheken geben würde.  Dazu gehört, dass ein Apotheker oder eine Apothekerin angestellt sein muss.

In der KIFA-Praxis arbeiten alle, auch die Apothekerin, ehrenamtlich. Niemand ist angestellt oder bekommt sonstige finanzielle Zuwendungen.

Weiterhin dürfe eine Apotheke nicht mit einer Poliklinik in Verbindung stehen. Weder räumlich noch sachlich. Sie dürfe nicht in einem Obergeschoss untergebracht sein. All dies seinen gesetzliche Vorgaben, die schon immer gegolten hätten.

Die Vorgängerregierung Syriza hat diese Bestimmungen nicht durchgesetzt und die Praxen akzeptiert, da sie letztendlich eine große Hilfe während der Krise waren. Aufgrund der drastischen Kürzungen im Gesundheitswesen war das  Gesundheitssystem so gut wie zusammengebrochen.

Die oben genannten Voraussetzungen erfüllte unsere Sozial-Praxis nicht. Hand in Hand wurde mit ehrenamtlich tätigen Ärzten und Apothekern in den Räumen zusammengearbeitet.

Die Nea Demokratia unter dem Premierminister Mitzotakis  sorgt nun aber für die Einhaltung dieser gesetzlichen Vorschriften. So droht jeder Person, die dort ehrenamtlich tätig ist, eine Geldstrafe von 10 000 €.  Das führte dazu, dass die Arbeit der Praxis fast  komplett  eingestellt wurde. Lediglich die zahnärztliche und psychologische Versorgung konnte noch einige Zeit sicher gestellt werden.

Trotz alledem  machen die Ehrenamtlichen weiter.  Es werden weiterhin Medikamente gesammelt und an 2 Sozialapotheken abgegeben, die in Patissia und in der Nähe von Smyrna liegen. Eine dieser Apotheken hat ihre Räume in einer Schule. So ist es möglich, die Kinder dort  zu versorgen.

Herr Kokossis zeigte sich äußerst besorgt über die Situation der Flüchtlingskinder. Es gibt ca 5000 unbegleitete minderjährige Flüchtlingskinder. Davon sind ca. 3000 Kinder unter 10 Jahren.

Diese sind nicht nur der Willkür der Erwachsenen ausgeliefert, sondern haben auch kein Recht in die Schule zu gehen, sind ungeimpft allen Krankheitserregern ausgeliefert, die ihnen begegnen.

Wir alle wissen, dass die Unterbringung aller Flüchtlinge in Griechenland  unmenschlich ist. Die Schwächsten haben am meisten zu leiden, Frauen und die Kinder.  Die Flüchtlingssituation in Griechenland ist nach Aussagen von Herrn Kokossis eine tickende Zeitbombe.  Die Inseln sind überfüllt,  es sollen demnächst 20 000 Migranten auf das Festland verbracht werden. 3 Lager auf den Inseln sollen geschlossen werden, das bedeutet, die Flüchtlinge befinden sich in inoffiziellen Gefängnissen.  Die griechische Bevölkerung ist am Ende ihrer  Geduld. Athen ist bereits übervoll und auf dem Land sind  kaum  vernünftige Unterbringungsmöglichkeiten  vorhanden.

Es  ist zu erwarten, dass, wenn nicht ein Wunder geschieht und die anderen europäischen Staaten endlich ihre Verantwortung wahrnehmen,  die Lage eskalieren wird.

Die Arbeit der ehrenamtlichen in Griechenland geht weiter und auch wir wollen unseren Beitrag leisten! Wir bedanken uns bei allen Spendern und bitten weiterhin um  Ihre / eure Hilfe.